Vernissage der Ausstellung ist am 16.3.18 um 20.00 Uhr - Sie sind herzlich eingeladen.

Die Gruppenausstellung zeigt Werke unseres Künstlers Bart Vandevijvere zusammen mit 11 weiteren belgischen Künstlern.

Die Ausstellung im städtischen Kulturzentrum, einer früheren Textilfabrikm, CC De Ververij, Wolvestraat 37, 9600 Ronse (Belgien) ist Mittwochs, Samstags und Sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet; der Eintritt ist frei.    

WANDERING IN BETWEEN
Die Lust am Malen in einem Wegenetz voller Kreuzungen

 

Mir hat der Titel sofort ausgesprochen gut gefallen.
Anders als in vielen Œuvre wo die Arbeiten nur nummeriert sind oder mit “ohne Titel” bezeichnet werden, haben die Werktitel der Arbeiten von Bart Vandevijvere eine explizite Bedeutung. Häufig referenzieren sie eine bestimmte Musik wie z.B. „Cubes for Joachim Kühn“ oder „Lines for Joëlle Léandre“. Gelegentlich beziehen sie sich auf eine Welt oder auf die Welt: „The Collapse of Symbiosis“ oder „Embracing the Circumstances“. Immer aber geben sie genügend Raum für den jeweiligen Betrachter.

 

Das Gemälde

vandevijvere 38Der Titel ‘Wandering in Between’ öffnet einen weiten Raum.
‚Wandering‘, Herumgehen, das ist eine Tätigkeit, ein Wandern, ein Spaziergang, ein Umherziehen, Laufen. Herumgehen ist aktiv und physisch. Herumzugehen verspricht eine gewisse Langsamkeit. Während des Gehens ist Gelegenheit zum Schauen, Denken, Philosophieren.
‚In between‘, dazwischen, beinhaltet Gegensätze, zwischen denen der Weg liegt. So entsteht ein Ort zwischen Intuition und Erkenntnis, Intimität und Distanz, Nähe und Ferne, Verzweiflung und Hoffnung, Erfüllung und Sinnleere.

 

Das Gemälde ‘Wandering in Between’ (2017) ist eine große Leinwand (130 auf 160 cm), bemalt mit Acryl und Wasser, beseelt von Musik als einem Grundbaustein. Wie aber lässt sich mit Leinwand, Farbe und Form komponieren? Wollen wir doch mal das Bild mit unseren Sinnen erwandern. Die Wanderung folgt dem vorsichtigen Gebrauch von Farbe hin zu einer größeren Dichte in einem roten Dreieck. Ausgehend von geometrischen Formen führt sie zu organischen Mustern, die kontrolliert gesetzten Striche weichen spontanen Farbflecken. Scheinbar liegen mehrere Farbschichten übereinander, doch zu sehen ist nur die weiße Oberfläche der grundierten Leinwand.

 

Die Dreiecke und die rechteckigen Flächen in der Mitte taumeln durch den Raum. Ein Anflug von Perspektive zieht den Blick nach oben. Die Geometrie teilt den Hintergrund. Gelegentlich scheint es, als sei der hintere dunkle Raum zuerst da gewesen, und die spielerisch gesetzten Farbflächen später hinzugekommen. Die Farbe ist abgewaschen, tränt die Leinwand herunter oder zeigt sich in breiten Pinselstrichen. An manchen Stellen fühlt sich die Farboberfläche wie Samt an, dann wieder wie Baumrinde oder wie ein ausgewaschenes Gemäuer. Die ebene Oberfläche der Leinwand wird zu einem Raum, in den sich hineinsehen lässt. Beim ‚Betreten‘ des Gemäldes zieht es uns in die Bewegungen während des Malens; der Künstler erschafft das Gemälde von Innen nach Außen, der Betrachter betritt das Werk von Außen, um in sein Inneres vorzudringen.

WANDERING IN BETWEEN
The pleasure of painting in a walking network full of junctions

I immediately found it an exceptionally fine title.
Unlike those oeuvres where the works are classified only by numbers or are an ensemble of ‘untitled’ paintings, in Bart Vandevijvere’s work the titles receive particular attention.
They quite frequently refer to music, such as ‘Cubes for Joachim Kühn’ and ‘Lines for Joëlle Léandre’. Sometimes they appear to refer to a world or the world: ‘The Collapse of Symbiosis’ and ‘Embracing the Circumstances’. They always leave sufficient room for the viewer.

vandevijvere 38The painting

 

The title ‘Wandering in Between’ offers lots of room.
Walking means doing, wandering, parading, strolling, running. Walking is active and physical. Walking holds the promise of a certain slowness. While walking you can look, think or philosophise.
‘In between’ refers to extremes between which you make your way. A domain arises between intuition and insight, proximity and distance, fullness and emptiness, despair and faith, density and insubstantiality.

 

The painting entitled ‘Wandering in Between’ (2017) is a large canvas of 130 by 160 cm, painted in acrylic paint and water, with music as its raw material. How does one compose with paint, colour and form? Let’s take a walk around in the painting. You walk from a sparing use of paint to greater density in a red triangle, from geometric forms to purely organic patterns, from controlled lines to spontaneous patches of paint. You suspect the presence of several superimposed layers and you see the whiteness of the prepared canvas.

 

The triangles and square areas in the centre tumble around in space. A twist of perspective pulls us upward. The geometry divides the background into two. Sometimes it seems to be the reverse and the dark space was first, with the playful areas of colour on top of it. The paint is washed away, drips down the canvas or displays thick brushstrokes. In some places, the surface of the paint feels like a velvet blanket, the bark of a tree or a weathered wall. The flat canvas transforms into a space into which you can look. By entering into the painting you are drawn into the movements of the painting process. The painter creates the painting from the inside out; the viewer walks from the outside in.