riche 106„Ist das Leben ein Spiel? Ist das Leben sinnlos? Ist das Leben in Worte zu fassen? Ist das Leben eine geöffnete Schatulle? Ist das Leben rund? Ist das Leben eine Glühbirne? Wird das Leben blasser, je länger es zurückliegt? Ist das Leben herzlich? Ist das Leben ein Tanz? Oder ist das Leben Wort und Bild?“ fragte Michael Babic anlässlich einer Ausstellungseröffnung von Sandra Riche in der Schweiz um anschließend festzustellen, dass die Beschäftigung mit ihren Arbeiten unweigerlich zur Frage nach dem Sinn des Lebens führen.


riche 105Regelmäßig bieten die Arbeiten von Sandra Riche mindestens 2 Ansichten zusammen mit einer Überraschung. Bei den Koffern, Dosen und Schachteln kommt die Überraschung beim Öffnen. Was im geschlossenen Zustand unspektakulär daherkommt, offenbart beim Öffnen ein absolut unerwartetes Innenleben. Hinter der Fassade wartet Unbekanntes darauf, entdeckt zu werden.


Andere Arbeiten, die sich nicht durch ein Öffnen erschließen, offenbaren ihre zweite Seite in der Komposition und Zusammenstellung der gewählten Werkstoffe. So werden aus einfachen Fliegenklatschen durch Hinzufügen von Schrauben kleine Folterwerkzeuge, die der Schriftzug „Es war nur ein Missverständnis“ ziert. (So flott kann man sich herausreden.)


riche frauenmuseum 2021 1Und „Die Heldin der Arbeit“, die vor kurzem noch im Frauenmuseum in Bonn gezeigt wurde, ist in der Installation nur durch ihre Stiefelchen und farbenfrohe Putzlappen präsent. Unzweideutig handelt es sich um eine Putzfrau, die hier „beklatscht“ wird, ähnlich wie das Krankenhauspersonal zu Anfang der Corona Pandemie.


Jetzt sind wir gespannt, welche Einblicke und „Überraschungen“ Sandra Riche für uns in ihrer 2. Soloausstellung in unserer Galerie bereithält. Und wir freuen uns darauf, beim Aufbau der Ausstellung all die „Geschenkkistchen“ zu öffnen – und auch wieder schließen zu können.

 

Abb. von oben nach unten: Spitzengefühl (geschlossener Zustand) / (geöffneter Zustand), 2022, mixed media, 80 x 180 cm; Heldin der Arbeit, 2018, mixed media, Größe variabel, Abb. der Installation im Frauenmuseum Bonn, 2021; sämtlich Sandra Riche, (c) Sandra Riche/VG Bild-Kunst, Bonn, 2022