riche 1„Das reale, mehr als das ideale oder idealisierte „gute Leben“ steht bei Sandra Riches raumgreifender Installation im Vordergrund. Bürokratie, Stempel, Etiketten mit administrativer Alltagspoesie „bestellt, überwiesen, Betrag erhalten, erledigt, Termin, gebucht, fakturiert“. Vorgänge, die dem Menschen immer wieder begegnen, seine Wirklichkeit und die äußeren Umstände seines Lebens mit prägen. Das „System“ hat unterschiedlichste Facetten, kann Schikane ebenso bedeuten wie Garantie für geordnete Vorgänge, die Menschen erst zu ihrem Recht verhelfen und manchmal ein Überleben auch erst möglich machen.

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Sandra Riche kontrastiert in ihrer Installation exakt an der Wand angebrachte archaische Bürokratie-Relikte mit auf dem Boden chaotisch angeordneten Schachteln. So könnte die Installation auch ein Narrativ zeigen, als sei hier jemand nicht fertig geworden bei der Ordnung des Daseins, habe mitten im Akt der Systematisierung aufgegeben. Darüber blinkt ironisch-maliziös das Happy-Hour-Schild.“ 

Petra Stegmann (Kunsthistorikerin, Leiterin der Kunsthalle Wilhelmshaven)

Abb. oben: Installation "Heldin der Arbeit"; Abb. unten: Installation "Für immer schön"