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Biotopia, die fünfte Einzelausstellung von Matthias Pabsch in der Galerie Pamme-Vogelsang, gibt einen aktuellen Statusbericht von der konzisen Arbeitsweise, mit der Matthias Pabsch seine Themen weiterentwickelt. Mit genauer Beobachtung, ungezähmtem Interesse und durch ständig fortschreitendes Ausloten der Möglichkeiten, welche ihm die gewählten Bildträger und Arbeitsprozesse eröffnen, erschließt er unerwartete Perspektiven auf die Wechselwirkungen zwischen belebter und unbelebter Materie.

 

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Pabschs Skiagraphien – photographische Schattenmalereien – sind dynamisch geworden, sie wirken wie graphische Partituren und erobern musikalische Dimensionen. Seine jüngsten Skiagraphien zeigen eine polyphon fließende Klanglandschaft, in der sich die Musik bildhaft in dreidimensionale Elemente auflöst, die im Stil der Op-Art die Sinne des Betrachters berauschen. Dabei bleibt Pabsch seiner äußerst reduzierten Formensprache treu.

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In seinen neu entdeckten, mit Hilfe von Pilzsporen entstandenen Sporagraphien, überlässt Pabsch der Natur eine aktive Rolle im Gestaltungsprozess. Die Sporen gruppieren sich zu dynamischen Ordnungen, sie bilden Räume und Fluchten, wirken bewegt und zeigen sich dennoch statisch. Wie die Skiagraphien arbeiten die Sporagraphien einzig mit Schattierungen von Schwarz und Weiß. Sie geben dem Auge des Betrachters Halt und regen es gleichzeitig an, in ruhigem Wandern das Wesen der Natur zu ergründen.

 

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Die Bioscapes, farbenfrohe, organisch verwobene Acrylglasskulpturen, lassen Elemente der Architektur mit Formen der Natur verschmelzen und verweisen in eine mögliche synthetisch-biologische Zukunft. Sie erstrahlen im Raum und scheinen einzig darauf zu warten, das Licht in ständig neuen Winkeln zu brechen und sichtbar zu machen.

 

pabsch 109Die Prints vom Projekt Noctiluca belegen, dass Pabsch auch aktiv in die Natur eingreift. Die Unterwasser-Licht-Installation im schweizerischen Bad Ragatz bildet die Biolumineszenz der Natur nach und bestätigt die nahezu unbegrenzten Eingriffsmöglichkeiten des homo sapiens im Anthropozän. Indem er die Natur „nachbaut“ scheint der „Kampf“ des Menschen gegen die Natur beendet und die Vision einer Naturkultur etabliert.

 

pabsch 104Äußerst interessant ist die Entwicklung der Trace-Serie (Arbeiten auf Aluminium bzw. Kupferplatten) die in der Vergangenheit häufig dynamische Wellen- und Naturformen als Momentaufnahmen festhielt. In seinem neuesten „Beethoven-Zyklus“ (der gerade auch in einer Videopräsentation im Beethoven-Haus in Bonn gezeigt wird), entwickelt Matthias Pabsch im Arbeitsprozess eine dynamische Veränderung des von Joseph-Karl Stieler 1820 geschaffenen Beethovenporträts. Der „Beethoven-Zyklus“ von Pabsch ist ein gewichtiges Beispiel für die Veränderungen, die sich seit Beethovens Tod in der Sicht auf seine Person und sein Werk manifestieren.

 

In Biotopia lässt Pabsch Mensch und Natur, Licht und Schatten aufeinander treffen – versöhnlich, gelegentlich poetisch und dennoch verstörend.

Abb., v.o.n.u., sämtlich Matthias Pabsch: Bioscape 12, 2019, Acrylglas, 24 x 43,5 x 21 cm; Skiagraphie VIII - Große Fuge, 2019, Handabzug auf Barytpapier, 216 x 126 x 4,5 cm; Sporenbild 2-1, 2019, Pilzsporen auf Papier, 22 x 29,6 cm; Bioscape 10, 2019, Acrylglas, 20 x 52,2 x 25 cm; Noctiluca - Detail I A, 2018, C-Print, 13 x 18 cm; Beethoven Zyklus (Platte 3), 2018 - 2019, Acryl und Kunstharz auf Kupfer, 3 Platten jeweils 25 x 25 x 2,5 cm 

pabsch 101Als wohl bekannteste Darstellung von Beethoven (1770 - 1827) gilt das 1820 in 4 Sitzungen entstandene Porträt von Joseph-Karl Stieler (1781 – 1851). Bis zum heutigen Tage inspiriert es nachfolgende Künstlergenerationen.

 

Matthias Pabsch (* 1970) dreiteiliger Dialog mit dem Bild Beethovens ist ein gewichtiges Beispiel für die Veränderungen, die sich seit Beethovens Tod in der Sicht auf seine Person und sein Werk manifestieren. Die im Laufe des Arbeitsprozesses immer großzügiger freigelegten Kupferplatte spiegelt den Betrachter und macht dessen Lehr-Erfahrung und Seh-Erwartung zu einem Teil der Rezeption.

 

Abb.: Matthias Pabsch, Beethoven Zyklus, 2018-2019, Acryl und Kunstharz auf Kupfer, 3 Einzelelemente je 25 x 25 x 2,5 cm; ©Matthias Pabsch / Gudrun Pamme-Vogelsang, 2019

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