zolper 171Vernissage: 22. März 2019, 18 bis 21 Uhr
Ausstellungsdauer: bis 4. Mai 2019

 

Special Events:
Freitag, 29. März, 19 Uhr Ausstellungsrundgang mit dem Künstler
Donnerstag, 11. April, Galerierundgang im Rahmen der Art Cologne. Die Galerie ist bis 22 Uhr geöffnet, der Künstler ist anwesend.

 

Die Ausstellung KAIN des Kölner Künstlers Heinz Zolper zeigt Arbeiten aus seiner neuesten Werkserie, in denen er sich mit dem Thema Täter, Opfer, Brudermord auseinandersetzt. Bei seinen insgesamt 18 Leinwänden mit dem Titel "Kain" verwendet Zolper assoziativ ausgewählte Vorlagen von bereits vorhandenen, gegenständlich gemalten Geschichten. Deren Darstellungen von Mythologien, christlichen Erzählungen oder auch einfachen Straßen- und Alltagsszenen nutzt er als Präfigurationen, die er dann manipuliert, übermalt und mit neuen Elementen und Bildern erweitert. Dennoch und trotz der „Zerstörung“ und Nutzung der historischen Gemälde bleibt zwischen den Bildvorlagen und der Kunst von Heinz Zolper die Verwandtschaft im Geist der Malerei erhalten.

zolper 145

 

Heinz Zolper bemächtigt sich seiner Vorlagen auf digitalem Weg. Mittels Vergrößerungen monumentalisiert er die Vorlagen und zerlegt sie beim nachfolgenden Kopieren und Drucken in kleine Bildflächen und Formate. Anschließend fügt Zolper die Kopien mehr oder weniger sorgsam zusammen und schafft damit den Malgrund für seine weitere Bearbeitung der Lein-wände. So entstehen aus den alten Geschichten neue, gegenwärtige Geschichten; eine „bricolage“ im Sinne von Lévi-Strauss und ein aktueller >Bilderstreit< um das Menschsein, das Malersein im gegenwärtigen Jetzt.

 

zolper 172Sechs Arbeiten in Mischtechnik und als Pastellzeichnungen auf Gummi hat Heinz Zolper mit "Abel" betitelt, eine siebte, in gleicher Technik entstandene Arbeit trägt den Titel "all good". Der schwarze Grundton des Gummis mit den aufgesetzten Lichtpunkten vermittelt eine eigen-artig ambivalente Nachtstimmung. Trotz der zum Teil strengen, formalen Bearbeitung des Bildraumes bleibt das Dargestellte geheimnisvoll und unergründlich. Als Figur erscheint einzig die Dame als das typische Signet von Heinz Zolper. Die Geschichte von ´Kain und Abel` oder von Abel als Opfer wird nicht gezeigt. Der männliche Part erscheint nur sehr hintergründig in mehr oder weniger ausformulierten Phallussymbolen. Ist hier Abel gemeint? Oder doch wieder Kain?

zolper 143 

Während die ´Kain-Arbeiten` die Dekonstruktion der Malerei und der Bildgeschichte vom Brudermord thematisieren und eine Neuinterpretation aufzeigen, zeugen die 7 Arbeiten auf schwarzem Gummi von einer behutsamen und doch äußerst kraftvollen Bildsuche >in dunkler Nacht<.

 

Gemalte Bildgeschichten dienen stets als Modelle von Wirklichkeit für das kulturelle Ge-dächtnis aber auch für das Unsagbare, Verdrängte und Vergessene. Der skandalöse Bruder-mord, der bis heute Realität ist, wird verschwiegen bzw. verschwindet in einer globalen Ethik des Desinteresses. „Es ist das bewusste Schweigen davon, dass der Erlkönig unter uns ist“, so Peter Sloterdijk.

zolper 117

 

Die Malerei von Heinz Zolper gemahnt daran, das Feld des Desinteresses endlich zu verlassen und nicht länger vor der Gewalt, die die Menschheit von Anbeginn begleitet, die Augen zu verschließen. Die Gewalt steht am Anfang, sie ist ursprünglich. Kain muss leben, der Künstler muss malen.

Abb.: Heinz Zolper aus der Werkserie KAIN; die Titel, v.o.n.u.: Kain VIII, 2018; Kain XXIIII, 2018; Kain I, 2018; Abel, 2018; all good, 2017; für alle sämtliche Abbildungen © Heinz Zolper/VG Bild Kunst, Bonn, 2018  

zolper 168Heinz Zolper – KAIN

 

In seiner neuen Werkserie „Kain“ (1) setzt sich der Kölner Künstler Heinz Zolper (* 1949) mit einem der ältesten Themen der Menschheit auseinander, dem Täter, dem Opfer und dem Brudermord. Dabei liegt, wie schon der Name der Werkserie suggeriert, der Fokus seiner Betrachtungen auf dem Überlebenden, dem als Strafe „das Leben selbst“ auferlegt wurde.

 

Die Beschäftigung mit dem Brudermord-Thema, der Sehnsucht nach Anerkennung, als ein Wesenszug im Menschen, inkludiert selbstredend auch die Frage nach der Rolle des Malers und der Aufgabe der Malerei. Deutlich zu sehen ist dies an den Rück- und Vorgriffen, die Zolper für seine Werkserie Kain gewählt hat.

Abb.: Heinz Zolper, Kain XXI, 2019 © Heinz Zolper/VG Bild-Kunst, Bonn, 2019

hz palazzo 1„Wer ist der Unbekannte neben Andy Warhol? Er trägt ein Baumwollhemd von Karstadt“ fragt Heinz Zolper zu dem Foto „Andy u. H.Z.“, das ihn neben Warhol in dessen New Yorker Atelier zeigt.


Das Bild entstand 1979 als Heinz Zolper auf Einladung von Andy Warhol erstmals in der „Factory“ war. Es zeigt den Augenblick der Übergabe des Gastgeschenks, ein zersägtes Wilhelm Busch Buch – Zolpers Beleg, dass auch Literatur noch weitere Potentiale für das Kunstschaffen bildender Künstler birgt. Das Geschenk war tätiger Beweis für die Palazzo Theorie: „Ich kann nichts anderes als malen. Aber ich kann Malerei auf alle anderen schöpferischen Ebenen übersetzen“.